Olympia 2026 hat bei mir einmal mehr zwei Dinge ausgelöst: Erstens die Überzeugung, dass ich Curling «eigentlich schon immer verstanden» habe. Zweitens echten Respekt vor dem, was die Athletinnen und Athleten leisten. Während die Begeisterung, speziell für die Erfolge der Schwyzerinnen und Schwyzer, noch nachhallt, darf man die Idee ruhig laut aussprechen: Olympia 2038 in der Schweiz?
Als grosser Sportfan lässt mich die Idee nicht kalt. Ich denke an die Gänsehautmomente, die Emotionen nach dem Zieleinlauf, wenn sich jahrelange Arbeit in Sekunden entlädt. Solche Szenen sind es, die Olympia so besonders machen. Aber auch der Stolz, wenn Schwyzerinnen und Schwyzer zeigen, dass man aus einem Kanton mit Bodenhaftung auf der ganz grossen Bühne abheben kann. Olympia ist mehr als Medaillen. Es ist eine Darstellung von Talent, Disziplin, Teamgeist und diesem typisch schweizerischen «Grind abe und secklä», wenns darauf ankommt.
Wenn junge Sportlerinnen und Sportler sehen, wie unsere Athletinnen und Athleten auf der Weltbühne bestehen, dann ist das pure Inspiration. Es motiviert sie, regelmässig ins Training zu gehen und an ihrer Technik zu feilen. Davon profitieren unsere Vereine, aber auch unsere Gesellschaft. Eine olympische Perspektive in der Schweiz gibt neue Impulse, Aufmerksamkeit und Rückenwind für Ehrenamt und Jugendarbeit.
Begeisterung allein reicht aber nicht. Wenn die Schweiz 2038 Gastgeberin sein will, dann nur unter passenden Bedingungen. Wir wollen keinen Gigantismus à la Sotschi und Peking, sondern Spiele, die man im besten Sinne «schweizerisch» nennen darf: föderal, pragmatisch, innovativ und nachhaltig.
Das heisst konkret: bestehende Infrastruktur nutzen, wo immer möglich. Die Schweiz verfügt über Anlagen, Hallen und Verkehrsnetze auf Weltklasse-Niveau und über reichhaltige Erfahrung in der Organisation grosser Anlässe. Wenn Olympia 2038 kommt, dann nicht als Prestigeprojekt, sondern als intelligente Nutzung eines bestehenden, funktionierenden Netzwerks.
Natürlich bleiben kritische Fragen: Was kosten die Spiele tatsächlich? Wer trägt die Last auf Stufe Bund, Kantone und Gemeinden? Und wer profitiert? Eine Bewerbung darf nicht zum Blankocheck werden. Sie muss transparent sein, ehrlich in der Kosten-Nutzen-Rechnung und offen für Korrekturen. Und vor allem: demokratisch legitimiert. In der Schweiz gehört ein Projekt dieser Grössenordnung vor die Bevölkerung. Sachlich erklärt, fair diskutiert und am Ende klar entschieden.
Denn Olympia ist auch ein Stresstest: für Natur, Infrastruktur und Bevölkerung. Es braucht Konzepte, die wirklich funktionieren: kluge Verkehrslenkung, verlässliche Sicherheit, realistische Kapazitäten und einen respektvollen Umgang mit alpinen Lebensräumen. Nachhaltigkeit darf nicht bloss ein Werbewort sein.
Wenn all das gelingt, kann Olympia 2038 eine Chance für uns sein: für den Sport, für den Nachwuchs und für den Zusammenhalt unseres Landes. Eine Einladung, die Schweiz von ihrer besten Seite zu zeigen. Nicht laut, nicht prunkvoll, aber überzeugend. Und vielleicht ist genau das die Pointe: Die Schweiz muss Olympia nicht grösser machen. Olympia könnte in der Schweiz endlich wieder etwas kleiner werden und dadurch glaubwürdiger.
Bis dahin bleibe ich dabei: Ich will weiter mitfiebern, staunen und stolz sein auf unsere Athletinnen und Athleten, besonders auf jene aus der Region, die zeigen, dass grosse Leistungen dort entstehen, wo gut gearbeitet wird. 2038? Wenn es demokratisch gewollt, finanziell verantwortbar und nachhaltig geplant ist: warum nicht?