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Bahnhofstrasse: Wagen wir Mitwirkung

Mit dem Ja zum kantonalen Verwaltungsneubau zieht die Verwaltung aus dem Dorfzentrum aus. Für die Bahnhofstrasse in Schwyz ist das eine einmalige Chance. Wie wir sie mit Transparenz und Mitwirkung nutzen können, erkläre ich in meinem Forumsbeitrag im Bote der Urschweiz.

«Es Brood, echli Fläisch, öppe es Kilo Frücht und nu öppis chliises Süesses zum Tessäär.» Mit diesem Auftrag wird das aufgeweckte Mädchen Steffi im legendären Kinderbuch der Schwyzer Nüssler auf Einkaufstour geschickt. Ohne Portemonnaie unterwegs, erhält sie die Lebensmittel auf ihrer Suche nach dem Besitzer eines Tannenreisbesens von Maschgraden geschenkt.

 

Die Realität fernab der Fasnacht sieht heute anders aus. Im Dorfzentrum von Schwyz wird es immer schwieriger, den täglichen Bedarf zu decken. Einkaufszentren am Rand und der Online-Handel haben viele Läden verdrängt. Wer im Dorfkern einkauft, findet heute mehr Hörgeräte als frisch gebackene Pfünderli. Mit der Schliessung des altehrwürdigen Cafés Haug hat Schwyz zusätzlich an Ausstrahlung verloren. Der stolze Hauptort droht zum Geisterflecken zu verkommen.

 

Gerade deshalb ist die Bahnhofstrasse 15 zu einem Sehnsuchtsort der Schwyzerinnen und Schwyzer geworden. Nach dem knappen Ja der Bevölkerung zum kantonalen Verwaltungsneubau im Kaltbach – von der Gemeindebevölkerung abgelehnt –, öffnet sich hier ein seltenes Fenster. Eine Chance, das Zentrum von Schwyz neu zu beleben. Ein Ort für Kinder, Familien und Begegnungen. Es scheint, als wolle man an der Bahnhofstrasse all das verwirklichen, was die Betonwüste Hofmatt nie war und auch nach der Neugestaltung kaum sein wird.

 

So viele Erwartungen unter einen Hut zu bringen, ist eine grosse Aufgabe. Die Mitte Gemeinde Schwyz hat im Sommer 2025 einen Versuch gewagt und eine Online-Umfrage gestartet. Über 300 Personen haben teilgenommen und ihre Ideen eingebracht. Von der weitläufigen Politikverdrossenheit war und ist bei diesem Thema nichts zu spüren.

 

Im August konnten wir die Ergebnisse am öffentlichen Hofmattgespräch vorstellen und mit Vertreterinnen und Vertretern von Kanton, Gemeinde sowie Gewerbe und der Bevölkerung diskutieren. Es wurde deutlich, dass gute Ortsentwicklung nur in Zusammenarbeit gelingt und nicht im Alleingang. Eine Mehrheit der Teilnehmenden wünscht sich eine geteilte Verantwortung von Gemeinde und Kanton. Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander auf Augenhöhe. Die hohe Beteiligung ist ein Zeichen dafür, wie stark der Wunsch nach Partizipation verankert ist.

 

Nun gilt es, Transparenz und Verbindlichkeit im weiteren Prozess sicherzustellen. Die Gemeinde hat angekündigt, ein Mitwirkungsverfahren zu starten. Dieses Vorhaben verdient breite Unterstützung von Politik, Behörden und von uns als Bevölkerung. Denn die nächsten Schritte sind entscheidend. Wer definiert die Ziele? Wie werden unterschiedliche Interessen abgewogen? Und vor allem: Wie gelingt es, dass das Areal nicht isoliert bleibt, sondern als Impuls für eine umfassende Belebung des Dorfzentrums verstanden wird?

 

Der Kanton als Eigentümer kann hier eine Vorbildrolle übernehmen mit Signalwirkung weit über Schwyz hinaus. Denn die Lebensqualität eines Ortes bemisst sich nicht nach tiefen Steuern oder Briefkastenfirmen, sondern danach, ob ein lebendiges Zentrum existiert, das Identität stiftet und Lebensqualität schafft – für Jung und Alt, für Familien, Alleinstehende, Gewerbetreibende und Kulturschaffende. Die Bevölkerung will nicht, dass Schwyz zu einem zweiten Zug wird.

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