Aktuell

Über halbe Schwyzer Regierungsräte und fehlende Verantwortung

Die gegenwärtig wählerstärkste Partei des Kantons Schwyz hat jüngst eine neue Volksinitiative lanciert. Mit der Initiative will sie den Regierungsrat verpflichten, sich grundsätzlich gegen die Errichtung von Bundesasylzentren auf Schwyzer Boden auszusprechen – unabhängig vom Standort. Damit reagiert die Partei auf den Entscheid des Regierungsrates zugunsten des Standorts Buosingen zwischen Lauerz und Goldau. Dort will das Staatssekretariat für Migration dereinst ein Bundesasylzentrum für 170 abgelehnte Asylsuchende errichten.

Dass die rechte Polpartei das Thema Asyl bewirtschaftet, ist weder neu noch verwunderlich und ihr gutes Recht. Dass sie mit einer Initiative aber die Handlungsfähigkeit der Regierung einschränken, ihr quasi einen Maulkorb anlegen will, ist zumindest bemerkenswert, falls überhaupt gültig. Offenbar misstraut sie ihren eigenen Vertretern, die immerhin drei von sieben Sitzen in unserem Regierungsrat besetzen. Offenbar misstraut sie auch ihren liberalen Freunden, mit denen sie seit Jahren im Kantonsrat paktiert und Reformen verhindert. Gemeinsam verfügen die Parteien mit fünf von sieben Sitzen über die absolute Mehrheit im Regierungsrat. Sie sind verantwortlich, dass wir überhaupt über Buosingen diskutieren. Das Gleiche gilt im Kantonsrat, auch dort stellen sie die absolute Mehrheit. Die beiden Parteien könnten im Kanton Schwyz walten und gestalten, wie sie wollten – vorausgesetzt, die gewählten Volksvertreter tanzten alle nach der Pfeife der Parteistrategen. So könnten sie beispielsweise auch Opposition gegen die hohen NFA-Zahlungen machen und ein klares Zeichen seitens Schwyz setzen. Das spart man sich aber wohl für die nächsten Wahlen auf.

Mit der Lancierung der jüngsten Initiative hat jene Partei immerhin einen eleganten Weg gefunden, ihre eigenen Vertreter nicht als halbe Regierungsräte diffamieren zu müssen. Der Parteifrieden ist zumindest gegen aussen gewahrt. Nur ist erschreckend, dass viele dieses perfide Spiel nicht durchschauen. Ein Spiel, das ein grundlegendes Problem in der Schweizer Politik offenbart. Niemand will mehr staatstragend sein und Verantwortung übernehmen, jeder will die eigene Klientel befriedigen und Opposition betreiben. Die nächsten Wahlen kommen ja immer. Das gilt hüben wie drüben.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Bau neuer AKW Auftrieb erhält, wenn die Umweltverbände den Ausbau erneuerbarer Energien verhindern. Die jüngste Einsprache gegen die Vergrösserung des Grimselsees lässt grüssen.
So ist es nicht verwunderlich, dass die SVP das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) partout nicht führen will, obschon sie dann das Asylwesen erheblich beeinflussen könnte. Lieber lanciert man dazu die gefühlt hundertste Volksinitiative.
Und so ist es nicht verwunderlich, wenn die FDP, die sich angeblich dem Kampf gegen die überbordende Bürokratie verschrieben hat, mit der Individualbesteuerung eine Reform fordert, die 1,7 Mio. zusätzliche Steuererklärungen und Hunderte zusätzlicher Beamtenstellen mit sich ziehen würde.

Ich bin überzeugt, dass wir mit einer solchen Haltung die Probleme unserer Zeit nicht lösen können. Wir brauchen dringend Kompromisse, um unsere Sozialwerke zu sichern, dem Klimawandel zu begegnen und die Beziehungen zu unseren wichtigsten Handelspartnern zu sichern. Wir brauchen speziell im Kanton Schwyz mehr Weitsicht und Zusammenarbeit, um unsere Interessen gegenüber der restlichen Schweiz wahren zu können. Alle Parteien sind «staatstragend», folglich müssen sie endlich Verantwortung übernehmen. Mit permanentem Wahlkampf ist dem Volkswohl nicht gedient.

Teile den Beitrag:

Weitere Beiträge

Schnelle Hilfe für betroffene Gärtnereien und Bauernbetriebe

In der Wintersession habe ich ein Postulat eingereicht, das von weiteren 21 Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen mitunterzeichnet wurde. Dieses fordert eine rasche und unbürokratische Unterstützung für Betriebe, die wegen ausserordentlicher Ereignisse wie dem Auftreten invasiver Schädlinge betroffen sind. Dazu zählt etwa der Japankäfer. Ziel des Vorstosses ist es, Vorschusszahlungen zu ermöglichen, Zuständigkeiten klar zu regeln und Betriebsunterbrüche besser abzufedern. Zudem soll die Koordination zwischen den zuständigen Behörden gezielt verbessert werden.

Weiterlesen

Aus staatspolitischen Gründen Nein zum EU-Vertragspaket

Die Parteileitung der Mitte Schweiz hat beschlossen, das EU-Vertragspaket zu unterstützen. Ich respektiere diesen Entscheid, werde aber im Rahmen des parteiinternen Meinungsfindungsprozesses eine gegenteilige Haltung einnehmen. Nach sorgfältiger Abwägung der Chancen und Risiken komme ich zum Schluss, dass die institutionellen Schwächen des Gesamtpakets schwerer wiegen als die erzielten Fortschritte. Aus staatspolitischer Verantwortung lehne ich das Paket in der vorliegenden Form ab und werde mich im Nationalrat für seine Unterstellung unter das obligatorische Staatsvertragsreferendum (doppeltes Mehr) einsetzen.

Weiterlesen